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Die Entwicklung des Kürschnerhandwerks in Deutschland im Laufe der Jahrhunderte

Hase Zobel Hamster
Kürschnerhandwerk und Entwicklung des Rauchwarenhandels hängen eng zusammen. In den Anfängen der Kürschnerei wurden ausschließlich Felle des eigenen Landes zur Verarbeitung herangezogen, und erst der Rauchwarenhandel zwischen den Ländern brachte dem Kürschnerhandwerk die mannigfaltigen Rohstoffe, die sein Aufblühen ermöglichten.
11. Jh.
  • Übergang der Handwerker vom Leibeigenen zum freien Bürger
  • Mitte des Jh. ensteht der Name des pelzverarbeitenden Handwerkszweiges, und zwar aus dem Wort "kursen", das im Mittelalter Pelzwerk oder Pelzfutter bedeutet. Daraus entwickelt sich die Bezeichnung "Kursner", "Kürsner" und schließlich "Kürschner"
  • Das Kürschnerhandwerk macht seine Rohstoffe selbst gebrauchsfähig
  • Zu den anfallenden Tieren des eigenen Landes gesellen sich russische Rauchwaren, die von hanseatischen Kaufleuten nach  Leipzig kommen. Somit nimmt Leipzig, begünstigt durch seine Lage am Schnittpunkt bedeutender Handelsstraßen sowohl im Rauchwarenhandel als auch im Kürschnergewerbe sehr früh schon eine führende Stellung ein. Die Kürschner in Leipzig erhalten den  Brühl als Handels- und Arbeitsplatz; später breiten sie sich in den anliegenden Straßen aus
14. Jh.
  • Bildung der Zünfte allgemein und der Kürschnerzünfte insbesondere
    Basel (1226), Berlin (1280), Regensburg (1330), Leipzig (1423)
15. Jh./16.Jh.
  • Ab 1499 erste Arbeitsteilung im Kürschnerhandwerk
  • Mit Beginn des 16. Jh. kommen über England nordamerikanische (1492 Entdeckung Amerikas) Felle nach Deutschland, überwiegend nach Leipzig
  • Zerfall der Zünfte rechtsgerichteter Pfeil Entstehung von Innungen
17. Jh.
  • 1633 - Einführung einer Rauchwarenmesse in Irbit jenseits des Urals; dies belebt Handel und Verarbeitung von Rauchwaren in Deutschland
  • 1670 - Durch die englische Regierung werden Monopolrechte für die Hudsonbay-Company vergeben, die daraufhin den gesamten Pelzhandel Kanadas beherrscht; London wird zu einem der ersten Plätze des Rauchwarenhandels in der Welt (jährl. 3 Pelzauktionen)
  • 30 jähriger Krieg verursacht wirtschaftlichen Rückschlag
18. Jh.
  • In der Rokoko-Zeit (1720-1770) findet Pelz zusätzlich zum Innenfutter erstmalig als  Besatz Verwendung
  • Ende des Jh. wird Leipzig von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zum größten mitteleuropäischen Austauschplatz von Pelzwerk zwischen dem Westen und dem Osten
19. Jh.
  • Scharfe Trennung zwischen  Zurichten von Fellen und deren  Verarbeitung
  • Unterscheidung zwischen  Zurichtern und   Nadelkürschnern
  • Große Rauch- und Pelzwarenmesse innerhalb der  Leipziger Messe
  • In der zweiten Hälfte des Jh. kommt es zu  fabrikmäßiger Zurichtung von Fellen durch gesteigertes Warenangebot
  • 1850 - In Leipzig und Umgebung entstehen Zurichtereien großen Ausmaßes
  • Es enstehen  Pelzfärbereien
  • Ab 1871 - Die Mode wird in hohem Grade bestimmend für die Weiterentwicklung der Kürschnerei mit Dreh- und Angelpunkt Paris
  • 1880 - Erfindung der  Pelznähmaschine
  • Erstmalig werden  Mäntel aus Zobel, Nerz und Chinchilla zur Weltausstellung in Paris gezeigt
  • Um 1900 - Zug tausender deutscher Kürschner nach dem Westen (Frankreich, Belgien, Holland, England, Schweiz, Italien, Nordamerika)
  • Ende des Jh. erfolgt ein gewaltiger Auftrieb des Kürschnerhandwerks in Leipzig und Deutschland
20. Jh.
  • Bis 1914 ist Leipzig Metropole des Handels mit Rauch- und Pelzwaren aus aller Welt
  • Der beliebte Pelzmantel bleibt nicht nur begüterten Volksschichten vorbehalten
  • Erneute Arbeitsteilung:  Konfektionskürschner, Halbfabrikatehersteller
  • 1914 - Zahlreiche Weltverbindungen Leipzigs im Rauchwarenhandel reißen schlagartig ab; Deutschland bleiben die fremden Erdteile 5 Jahre lang verschlossen
  • Kanin wurde herangezogen und auf ihm allerhand ausländisches Pelzwerk bis hin zu Edelpelzen  nachgeahmt; die  Kaninveredelung (Imitation auf Kanin) entwickelte sich in ungeahnter Weise
  • Nach Friedensschluss (1918) erfolgte die Wiederherstellung aller weltweiter Handelsbeziehungen
  • 1922 - große Rauchwarenniederlassung der Sowjets in Leipzig; Leipzig rückt abermals in den Mittelpunkt des Weltpelzgeschäftes
  • 1928 - Gründung der deutschen  Kürschnerschule in Leipzig
  • 1930 - Ungeheurer Erfolg der  Internationalen Pelzausstellung in Leipzig
  • 1929 - 1933 Inflation (1923) und Weltwirtschaftskrise brachten dem Rauchwarenhandel und dem Kürschnerhandwerk schwere Verluste
  • Nach 1933 - Deutschland betreibt Isolationspolitik vom Welthandel
  • 1943 - Zertrümmerung und Einäscherung fast des gesamten Leipziger Brühls durch Fliegerangriff
  • 1948 - Wiedereröffnung der zerstörten Kürschnerschule in Leipzig
  • Getrennte Entwicklung des Kürschnerhandwerks in Ost- und Westdeutschland aufgrund unterschiedlicher Wirtschaftssysteme
    • Westdeutschland: Riesiger Boom; die gewaltige Nachfrage von "Jedermann" nach Pelzerzeugnissen führt zu vermehrter Farmhaltung und zur Bedrohung der Artenvielfalt von einigen wildlebenden Pelztieren; Tierschutzverbände setzen Artenschutzlisten durch; ab 1980 zerstören militante "Tierschützer" weltweit Farmen und bedrohen Kürschner bis hin zur Aufgabe ihrer Existenz
    • Ostdeutschland: Zwangsweiser Zusammenschluss von Kürschnern zu Genossenschaften; vorwiegend Verarbeitung von Fellen aus Kleintierhaltung, insbesondere Kaninchenzucht; Technik bleibt auf dem Vorkriegsstand stehen; nach der Wiedervereinigung(1990) sind die Materialbestände wertlos aufgrund veralteter Zurichtungsmethoden rechtsgerichteter Pfeil Ruin vieler Kürschner
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